Wushu

"Wushu" ist der Sammelbegriff für alle chinesischen Kampfkünste. Das Wort setzt sich zusammen aus "Wu" (Krieg/kriegerisch) und "Shu" (Kunst), was also übersetzt soviel heissen würde wie Kriegskunst. Insgesamt kann man unter dem Stichwort Wushu einige hundert verschiedene Stile einordnen, die die komplette Bandbreite der Kampf-, Selbstverteidigungs- und Bewegungskünste präsentieren. Im Laufe der Jahrhunderte, oder eigentlich Jahrtausende, entwickelten sich die ursprünglichen Gesundheitsübungen und Selbstverteidigungstechniken zu hochkomplexen Systemen weiter.  Die daraus entstandenen chinesischen Kampfkünste wurden dabei  untrennbar mit der chinesischen Philosophie, Moral und Ethik verbunden. Durch die Verbindung von Gesundheit, Gesamtkonstitution des Körpers und Geist bildet Wushu ein ideales Allround-Training sowohl für junge als auch alte Menschen.

Man kann allgemein sagen, das Wushu drei Dinge fördert:
1. die Charakterbildung des Individuums
2. die Verbesserung der körperlichen Verfassung und somit auch der Gesundheit
3. die Möglichkeit sich in bestimmten Situationen selbst verteidigen zu können

 

Modernes Wushu

Modernes Wushu wurde in der Regierung unter Mao Tsetong von 1949-1966 an den Yi-Yu-Yuan (Sportschulen) entwickelt. Im Vordergrund stand hier nicht der Kampf, sondern die körperliche Ertüchtigung. Man erkennt modernes Wushu meist daran, dass die Bewegungen sehr weitläufig und akrobatisch sind.

 

Traditionelles Wushu

Die traditionellen Wushu-Systeme befassen sich viel mehr mit dem Kampf und der Anwendung der einzelnen Techniken. Hier wird oft mehr Wert auf Effizienz und Funktionalität gelegt. In der Volksrepublik China wurde es an den Guo-Shu-Guan (Landeskunstschulen) unterrichtet und war in der Zeit der Kulturrevolution unter Mao Tsetong verboten. Man erkennt traditionelles Wushu daran, daß die Formen (Tao lou) meist geradlinig auf einer Linie gelaufen werden.

 

 

 

Wushu Stile:

Die wichtigsten und bekanntesten Stile des Wushu sollen hier vorgestellt werden. Die chinesische Bezeichnung, in Mandarin und der allgemein gültigen hanyu pinyin-Schreibweise, an erster Stelle, gefolgt von der ungefähren deutschen Übersetzung. Zur besseren Übersicht sind manche Stile in bestimmten Gruppen geordnet (z.B. "Tierimitationsboxen").

 

Chang Quan "Lange Faust"
Nan Quan "Südliche Faust"

 

 

In den chinesischen Kampfkünsten gibt es eine Aufteilung zwischen nördlichen (bei) und südlichen (nan) Stilen. Charakteristisch für die Nördlichen sind hohe Stände sowie Bein- und Sprungtechniken (z.B. Chang Quan), wo hingegen Südliche mehr Wert auf Handtechniken und tiefe, feste Positionen legen und Sprünge oder hohe Tritte eher selten sind. Um die Techniken noch zu verstärken, werden auch verschiedene Laute ausgestoßen. Unter Nan Quan lassen sich viele Stile einordnen, wobei die Familienstile wie Hongjia Quan (besser bekannt unter dem kantonesischen Namen Hung Gar) und andere die Wichtigsten darstellen. Nan Quan gehört ebenso wie Chang Quan zum Haupt-Programm eines jeden Wushu-Wettkampfes.

 

 

Shaolin Quan "Shaolin Boxen"

Das Shaolin-Kloster in der Provinz Henan gilt als Ursprungsort und Zentrum chinesischer Kampfkunst. Während seiner 1500-jährigen Geschichte wurde Wushu hier entscheidend geprägt, sei es durch die Mönche selber, oder durch andere Kampfkunstmeister, die im Kloster Zuflucht suchten. Dadurch fand ein Erfahrungsaustausch statt, so dass die Kampfkünste immer weiter entwickelt und viele Stile in das Shaolin-System integriert wurden. Als Folge dessen, weist das Shaolin-System eine einzigartige Komplexität auf, in der sich alle Stile des Wushu wiederfinden. Neben der Kampfkunst ist auch das Shaolin Qigong sehr berühmt. Viele werden diese unglaublichen Demonstrationen wohl schon einmal im Fernsehen gesehen haben. Metallplatten werden auf Köpfen zerschlagen, Speere werden, ohne eine Verletzung zu hinterlassen, gegen die Kehle gepresst und Ähnliches. Um solche Dinge vollführen zu können, braucht es ein jahre- und jahrzehntelanges Training des Qi. Unter dem Begriff "Qi" versteht man in etwa die Lebensenergie, die alles durchströmt und mittels Konzentration und einer auf die Bewegung abgestimmten Atmung kontrolliert und freigesetzt werden kann. Hinzu kommt natürlich noch eine extreme Abhärtung des Körpers. Mit diesem physisch bis an die Grenzen gehenden Training wird im Optimalfall schon im jüngsten Kindesalter begonnen. Es gibt viele sogenannte "Kindheitsübungen", die auf eine größtmögliche Ausbildung der Dehnungsfähigkeit, der Akrobatik, der Balance, der Abhärtung und der Körperbeherrschung allgemein abzielen.

 

Neijia Innere Stile

Die drei nun folgenden Stile Taiji Quan, Bagua Zhang und Xingyi Quan, zählt man zu den inneren Stilen (Neijia oder auch Neigong). Im Gegensatz zu den anderen, äußeren Stilen (Waijia), bedient man sich hier weniger der physischen Kraft, sondern man konzentriert sich auf das Qi, die alles durchfließende Lebensenergie. Diese Energie wird (ähnlich wie beim Qigong) durch Konzentration und eine Koordination von Atmung und Bewegung freigesetzt. Nur steht man, wie meist beim Qigong, nicht auf einer Stelle, sondern man bewegt sich weitläufiger und auch schneller. Als Ursprungsort und Zentrum innerer Stile gilt das Wudang-Gebirge im Norden Chinas. Geschaffen wurden sie von den dort in den Tempeln lebenden Taoisten, die allerdings die gesundheitsfördernden und lebensverlängernden Aspekte in den Vordergrund stellten. Es gibt zwar noch weitere dieser Gruppe angehörende Stile, aber folgende drei sind die Wichtigsten:

 

Taiji Quan Boxen des großen Ganzen

Sicherlich der im Westen bekannteste Stil des Wushu. Jeder hat wohl schon mal im Fernsehen eine Gruppe von, meist älteren, Chinesen gesehen, die morgens in einem Park langsame, fast meditative Bewegungen vollführen. Taiji Quan ist vor allen Dingen aufgrund seiner gesundheitsfördernden Wirkung bekannt, und somit besonders bei älteren Menschen sehr beliebt, obwohl im ursprünglichen Taiji Quan auch der Kampfaspekt im Vordergrund steht. Um den Stil jedoch auch für die breite Bevölkerung erlernbar zu machen, wurden die körperlich anpruchsvollen Elemente sowie die Verteidigungstechniken entfernt. So entstanden einige vereinfachte Formen, die zwar ihre gesundheitsfördernde Wirkung nicht eingebüßt haben, aber nicht mehr als Kampfkunst gelten können. Das ursprüngliche Taiji Quan ist auch auf den Kampf anwendbar, da es neben den langsamen, auch kraftvolle, explosive Techniken enthält. Die wichtigsten Taiji Quan-Stile sind: Chen, Yang, Wu, Wu Yuxiang und Sun. Das sind die Namen der Familien, die als Stilgründer aufgeführt werden. Der Chen-Stil gilt als Ursprungsstil.

 

Bagua Zhang "Boxen der acht Trigramme"

Bagua Zhang gehört, mit dem Taiji Quan, zu den beliebtesten Stilen in China. Die Gründe dafür sind die relative Einfachheit und Ästhetik der Bewegungen. Der Ausübende dieses Stils bewegt sich so, wie "ein Drache in den Wolken". Man vollführt stetig Kreise und verschiedene, in sich verschlungene Bewegungen der Hände und Füße wechseln sich ab. Charakteristisch ist außerdem, dass fast ausnahmslos nur die Handfläche (Zhang), und nicht die Faust (Quan), verwendet wird. Die Prinzipien des Bagua Zhang gründen sich auf dem I Ging, einer Art Orakel, bestehend aus acht Kombinationen zwischen 3 gebrochenen oder ganzen Linien.

 

Xingyi Quan "Geist und Form Boxen"

Möglicherweise der älteste der Neijia-Stile. Der Name gründet sich auf dem Leitsatz, dass jede Bewegung in Harmonie mit dem Geist ausgeführt und gesteuert werden soll. Xingyi Quan kennt Techniken sowohl mit der Handfläche als auch mit der Faust und beinhaltet darüber hinaus noch eine 12-Tiere-Form. Die Bewegungsabläufe im Xingyi Quan sind linear, die des Bagua Zhang kreisförmig und Taiji Quan verbindet sowohl das Geradlinige auch als das Kreisförmige.

 

Fanzi Quan "Rotierende Faust"

Fanzi Quan gehört zu den Stilen, bei denen Handtechniken im Vordergrund stehen. Die Bewegungen sind sehr schnell, federnd, hart und direkt. Darüber hinaus finden auch Ellbogen- und Haltetechniken Anwendung. Eine spektakuläre, aber auch sehr schwierige Kampfkunst.

 

Baji Quan "Boxen der acht Extreme"

Baji Quan ist bekannt für seine zwar einfachen, aber kraftvollen und speziell auf den Kampf anwendbaren Techniken. Diese Techniken sind meist kurz, hart und werden abrupt gestoppt, wobei zur Kraftverstärkung auch noch die Wörter "Heng" und "Ha" ausgestoßen werden. In einem Sprichwort heisst es: "Der Minister nutzt Taiji Quan um das Land zu regieren, der General nutzt Baji Quan um es zu verteidigen."

 

Yongchun Quan "Boxen des ewigen Frühlings"

Dieser Stil ist besser bekannt unter seinem kantonesischen Namen Wing Chun. Yongchun Quan ist ein schnörkelloser, direkter, einfacher aber sehr effektiver Stil, der größeren Wert auf Hand- als auf Fußtechniken legt. Um den Oberkörper möglichst umfassend zu schützen, werden die Arme direkt vor der Brust gehalten. Eine Verteidigung erfolgt meist in Verbindung mit einem Angriff, so dass beispielsweise der eine Arm abwehrt und der andere Arm gleichzeitig zustößt. Yongchun Quan wurde von einer Frau entwickelt und folgt dem Prinzip "weniger ist mehr", so dass der Stil vergleichsweise wenige Techniken enthält, diese aber eine bestmögliche Verteidigung bzw. gegebenenfalls bestmöglichen Angriff gewährleisten. Aufgrund der ökonomischen Prinzpien dieses Stils, steht die Muskelkraft nicht im Vodergrund.

 

Zui Quan "Betrunkene Faust"

Zui Quan gehört zu den einzigartigen Stilen des Wushu. Wie der Name schon sagt, werden hier die Bewegungen eines Betrunkenen imitiert, um so den Gegner zu verwirren und zu täuschen. Die typischen Bewegungen sind hin- und herwanken, stolpern und auf den Boden fallen. Die Angriffs- und Verteidigungstechniken verstecken sich in solchen Trickmanövern. Die charakteristische Handhaltung ist die "becherhaltende Faust", wobei Daumen und Zeigefinger einen nur halb geschlossenen Kreis bilden, während die anderen Finger in der Faustform gehalten werden. Besonderen Wert wird auch auf einen "betrunkenen Gesichtsausdruck" gelegt, um so den Grad der Betrunkenheit wiederzuspiegeln. Zui Quan ist ein sehr anspruchsvoller Stil, der ein hohes Maß an Flexibilität und Akrobatik erfordert, da der Stil viele Überschläge, Stürze und weitere komplizierte Elemente enthält. Das Geheimnis besteht darin, dass man vorgibt betrunken zu sein, man aber trotzdem einen klaren Geist behält.

 

Ditang Quan "Boxen am Boden"

Ditang Quan ist wohl der körperlich anspruchsvollste Stil des Wushu. Charakteristisch sind die spektakulären Falltechniken, in denen sich Angriffs- und Verteidgungstechniken verbergen und eine extreme Schwierigkeit aufweisen. Ein Technik des Ditang Quan sieht beispielsweise so aus, dass der Ausführende einen hohen Sprung vollführt, sich mitten in der Luft rückwärtig zum Boden in die Waagerechte begibt, und dann wie ein Brett auf den Boden fällt. Die Elemente des Fallens und das Liegen auf dem Boden, sollen den Gegner täuschen, anlocken und in Sicherheit wiegen, um dann selber einen Angriff zu starten. Hinzu kommen noch Techniken des Ringens und Haltens. Neben einer unglaublichen Akrobatik fördert der Stil darüber hinaus die Abhärtung der Knochen, Muskeln und inneren Organe.

 

Xiangxing Quan "Tierimitationsboxen"

Sehr viele Wushu-Stile haben bestimmte Formen oder Bewegungen, die nach Tieren benannt sind. Oftmals hat aber die Technik keine allzu große Ähnlichkeit mit dem Bewegungen des Tieres, da vor allen Dingen der Charakter der Technik (offensiv/defensiv, etc.) das Verhalten des Tieres symbolisieren soll. Die chinesischen Kampfkünste beinhalten darüber hinaus aber auch unzählige Tierstile, die sich nur mit dem Charakter und den Bewegungen eines Tieres befassen. Ein großer Teil der Tierwelt ist vertreten, beispielsweise Ente, Hund, Leopard, Affe, Tiger, Kranich, Adler oder der mystische Drache. Charakteristisch bei allen Stilen sind die tiertypischen Handhaltungen, die dem Tier ähnliche Körperhaltung und in besonderen Fällen auch der angepasste Gesichtsausdruck, wie z.B. beim Affen. Die bekanntesten und wichtigsten Stile sind:

 

Tanglang Quan "Boxen der Gottesanbeterin"

Die Gottesanbeterin ist ein Insekt, das ihre Beute mit ihren großen Vorderarmen angreift. Und so sehen auch die Techniken des Tanglang Quan aus. Die zu Haken geformten Hände werden vor den Oberkörper gehalten und vollführen verschiedene Schlag-, Block,- und Haltetechniken. in China gilt dieses System als eines der effektivsten Wushu Systeme und ist aufgrund seiner Komplexsivität nur sehr schwer zu erlernen .

 

Yingzhao Quan "Adlerklauenboxen"

Das Yingzhao Quan imitiert die schwingenden und angreifenden Bewegungen eines Adlers. Viele Stellungen symbolisieren, wie der Adler mit ausgebreiteten Flügeln über seiner Beute kreist und schliesslich angreift. Die Hände werden zu Adlerklauen geformt und ermöglichen verschiedene Haltegriffe.

 

Hou Quan "Affenboxen"

Der Affe wird in China aufgrund seiner Ähnlichkeit zum Menschen und seiner Schläue sehr verehrt, und es gab und gibt einige Wushu-Meister, die den Titel "Affenkönig" tragen. Das Hou Quan legt besonderen Wert auf die Mimik und anderen Verhaltensweisen eines Affen, wie z.B. Jucken oder Kratzen. Es ist aber auch ein körperlich sehr anspruchsvoller Stil, da viele schwierige akrobatische Elemente enthalten sind. Die Hände werden meist in einer Hakenform gehalten.

 

He Quan "Kranichboxen"

Im He Quan imitiert man die springenden und fliegenden Bewegungen eines Kranichs. Auch hier gibt es verschiedene Unterstilarten wie Zonghe Quan (Springender Kranich), Suhe Quan (Schlafender Kranich) und andere. Die Handhaltungen sind zum Teil unterschiedlich, charakteristisch sind jedoch Hakenhände, klauenartig geformte Hände oder Techniken mit den Fingerspitzen.

 

Hu Quan "Tigerboxen"

Hu Quan ist ein besonders in Südchina praktizierter Stil, dessen Merkmale die tiefen Stellungen und die explosive Kraftentwicklung sind. Die fünf Finger der Hand werden in der Mitte eingeknickt und zur Tigerkralle geformt.

 

She Quan "Schlangenboxen"

Das Schlangenboxen imitiert die schlängelnden Bewegungen einer Schlange, und zeichnet sich durch weiche Bewegungen aus. Die Hände werden in Form eines Schlangenkopfes gehalten. Dabei wird die ausgestreckte Hand im Handgelenk abgeknickt.

 

in unseren Teams unterrichten wir modernes

 

Nan Quan (Süd Faust)

 

Chang Chuan (Lang Faust), 

 

YingZhao Quan Adlerklauenboxen

 

traditionelles Qi Xing Tang Lang (sieben Sterne Gottesanbeterin Kung Fu)

 

                                     Taiji Quan

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